blaue werkzeugblume / denunziation eines mediums

digitaldruck auf endlosfolie, edding

die drucksache blaue werkzeugblume auf endlosfolie  trägt den untertitel denunziation des mediums.
in diesen untertitel hat sich der amphibolische genitiv eingeschlichen: die aussage ist zweideutig, weil das tätige subjekt nicht eindeutig auszumachen ist. wer oder was denunziert hier das medium? oder führt etwa das medium selbst die anklage gegen wen auch immer? das medium kann sowohl aktiv als auch passiv verstanden werden, ist also subjekt und objekt zugleich.
das phänomen des amphibolischen, des zweideutigen, verbirgt die künstlerische intention und sorgt beim betrachter für (konzeptionelle) verwirrung.
sprachwissenschaftlich ist der amphibolische genitiv eng mit der logik des widerspruchs verknüpft:
kant redet in der kritik der reinen vernunft von der „verwechslung der begriffe“ und verwirft das amphibolische als dialektische opposition, die „die grenze des erkennens“ markiert.
für hegel hingegen ist die opposition „vieldeutig, schillernd, fließend“, eben dieses bedeutet (etymologisch)amphibolisch auch. aus der zweideutigkeit gewinnt hegel den klaren sinn des entgegengesetzten: „das identische in ihrer gegensätzlichkeit“.
heute würden wir sagen: die differenz einer unterscheidung. die vermittlung von subjekt und objekt wird zugunsten eines asymetrischen identitätsbegriffs aufgegeben.
die komplexität möglicher struktureller kopplungen bildet für den künstler ein ideales kontingent an kreativen möglichkeiten.

in der annahme, dass grüner die arbeit blaue werkzeugblume aus ganz bestimmten gründen so und nicht anders untertitelt hat, haben wir es mit einem künstlerischen handgriff zu tun, der in seiner konsequenz den untertitel, denunziation des mediums, als formellen teil der arbeit begreift.
bei der blauen werkzeugblume handelt es sich folglich um ein emblem, die sinnbildliche darstellung eines geistigen inhalts, die auf den referenziellen bezug, womöglich auf die denunziatorischen absichten des künstlers verweist.

wolfgang siekmann im dezember 2009